Ein Blackout wie im Frühjahr in Spanien und Portugal – wie wahrscheinlich ist ein solcher Stromausfall in Deutschland? Ein großflächiger Blackout ist äußerst unwahrscheinlich. Diese Einschätzung ändert sich durch den Stromausfall in Spanien und Portugal nicht. Aber wir werden die Ergebnisse der Untersuchungen zu den Ereignissen selbstverständlich sehr genau auswerten und prüfen, ob wir für Deutschland etwas daraus lernen können. Gab es schon mal einen bundesweiten Blackout? Der größte Ausfall der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland war im November 2006. Teile Deutschlands und Westeuropas bis runter nach Spanien waren bis zu zwei Stunden ohne Strom. Auslöser war die planmäßige Abschaltung einer Stromleitung an der Ems für die Durchfahrt eines Kreuzfahrtschiffs. Diese Abschaltung war nicht ausreichend gut geplant und abgestimmt. Nach dem Ausfall wurde viel getan, um solchen Fehlern vorzubeugen. Heute würde das nicht passieren. Falls es aber doch mal dazu kommt: Gibt es Notfallpläne? Aber sicher. Die verschiedenen Szenarien kritischer Situationen im Stromnetz und auch Ausfälle werden sehr regelmäßig geübt. Auch für einen Stromausfall wie in Spanien und Portugal – und sei er noch so unwahrscheinlich – gibt es Vorbereitungen, sodass die Versorgung zügig wiederhergestellt werden könnte. Wie ist das deutsche Stromnetz abgesichert? Was sind die wichtigsten Bausteine? Das System ist redundant ausgelegt. Es gibt also immer Ersatz, ein Back-up, wenn ein Element der Stromversorgung ausfällt. Das System verfügt auch über zahlreiche Sicherungsmechanismen, die selbst bei größeren Störungen einen Zusammenbruch verhindern sollen. Diese Mechanismen werden kontinuierlich von den zuständigen Netzbetreibern auf ihre Eignung geprüft und bei Bedarf angepasst. Deutschland ist Teil des europäischen Verbundnetzes. Welchen Vorteil bringt das und warum? Das ist ein wichtiger Unterschied zum spanischen System: Wir haben viele Nachbarn, mit denen unser Stromnetz gut verbunden ist. Und wie das mit guten Nachbarn so ist, können wir von ihnen Hilfe bekommen und ihnen helfen, wenn sie Hilfe brauchen. Diese Möglichkeiten sichern die Stromversorgung zusätzlich ab. In welche Bereiche und Anlagen muss investiert werden, damit das Stromnetz auch weiterhin stabil funktioniert? Die Stromerzeugung verändert sich. Wir produzieren immer mehr Strom im Norden und Nordosten und schalten Kraftwerke im Süden und Südwesten ab. Deswegen brauchen wir die neuen Leitungen, um den Strom auch in Zukunft zu den Verbrauchern zu transportieren. Mittlerweile kommen wir mit der Planung und Genehmigung dieser Leitungen gut voran, die Beschleunigungsmaßnahmen zeigen ihre Wirkung. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Digitalisierung insbesondere der Verteilnetze. Da können wir mit dem aktuellen Stand noch nicht zufrieden sein. Wie lassen sich die Netze vor Cyberangriffen schützen? Die Bedrohungslage, speziell im Bereich der Cybersicherheit, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Die Bundesnetzagentur aktualisiert die ITSicherheitskataloge für die Energieversorgung und hat in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik die kritischen Funktionen definiert. Das sind wichtige Voraussetzungen, damit die deutsche Energieversorgung vor Cyberangriffen besser geschützt wird. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist: Wie sollten sich Menschen auf einen längeren Stromausfall vorbereiten? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe veröffentlicht Empfehlungen zur Vorbereitung. So kann man zum Beispiel mit einer Taschenlampe, einem Campingkocher und einer Powerbank für den unwahrscheinlichen Fall vorsorgen. Es lohnt sich für alle, die Empfehlungen zu kennen und auch zu prüfen, wie gut man Vorkehrungen treffen will. Hand aufs Herz: Wie sieht es damit bei Ihnen zu Hause aus? Ich habe ein hohes Vertrauen in die Sicherheit der Stromversorgung in Deutschland. Deswegen kann auch ich bei meiner persönlichen Vorsorge zugegebenermaßen noch besser werden – wie wahrscheinlich sehr viele Menschen in unserem Land. STABILE NETZE Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit der zuverlässigsten Stromversorgung. Großflächige Ausfälle sind hierzulande äußerst selten und dauern meist nur wenige Minuten. Die häufigsten Ursachen sind extreme Wetterbedingungen wie Stürme und Hochwasser sowie technische Störungen. 2023 waren deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher im Durchschnitt 12,8 Minuten ohne Strom. Der Wert liegt auf dem Niveau des zehnjährigen Mittels von 12,7 Minuten. Zum Vergleich: In den USA fiel der Strom 2022 durchschnittlich 131 Minuten aus. 11
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