Kundenmagazin Nr. 1/2026

Einsteigen, Ziel eingeben, losfahren, zurücklehnen. Der Mensch wird zum Passagier, das Auto zum Chauffeur – so sieht autonomes Fahren aus. Zukunftsmusik oder bald schon Realität? Selbstfahrende Autos sind seit Jahrzehnten ein Traum der Ingenieure und eine Hoffnung für Sicherheitsforscher. Durch autonomes Fahren könnten Unfälle verhindert, Staus vermieden, körperlich beeinträchtigte und ältere Menschen selbstständig mobil bleiben. Auch dürfte manchem Autofahrer die Aussicht gefallen, unterwegs E-Mails zu checken oder sich nicht mehr mit hektischen Manövern im Großstadtverkehr zu stressen. Andere sehen das autonome Fahren kritisch. So oder so: Bisher ist es noch ein Traum. Vom Stauhelfer zum Chauffeur 2015 brachte Tesla mit dem „Autopilot“ das erste teilautonome Fahrzeug auf den Markt. BMW und MercedesBenz bieten heute hochautomatisierte Assistenzsysteme auf Level-3-Niveau (Schaubild links), die zum Beispiel im Stau auf der Autobahn das Fahren übernehmen. Spannend wird es ab Level-4: Dann kann der Fahrer auf bestimmten Strecken die Kontrolle über sein Auto komplett abgeben und wird zum Passagier. 2017 startete Waymo in den USA die ersten fahrerlosen „Robotaxis“ auf Level-4-Niveau. Rund 1500 davon sind bislang in vier US-Städten im Alltagseinsatz. Die Nase vorn bei den autonomen Fahrdiensten hat allerdings China, wo es in mehr als 30 Städten Test- und Betriebszonen für Robotaxis gibt. In Deutschland waren die rechtlichen Hürden bislang sehr hoch: Noch in diesem Jahr sollen Level-4-Fahrdienste auch bei uns regulär eingesetzt werden können – etwa für Robo-Busse im ÖPNV, wo es an Fahrpersonal fehlt. Das Projekt KIRA testet aktuell autonome E-Shuttles im Kreis Offenbach und Darmstadt, die bis zu 130 Stundenkilometer schnell fahren können. Noch ist immer zur Sicherheit ein Fahrer an Bord, aber Ziel ist es, dass die Busse bald völlig autonom unterwegs sind und bei Zwischenfällen nur noch die Leitstelle eingreift. In der Vorstadt oder auf dem Land könnten solche On-Demand-Shuttles für flächendeckende Mobilität sorgen. Ähnliche Tests laufen in Hamburg und bald in München. Auch die Robotaxis des US-Dienstleisters Lyft könnten demnächst in deutschen Großstädten Fahrgäste befördern, in denen der Bedarf für geteilte Mobilität hoch ist. Noch viele Hürden Die Autohersteller tasten sich technologisch immer mehr an Level 5 heran. Dann werden Lenkrad und Fahrersitz komplett überflüssig. Doch es gibt Herausforderungen: Studien zeigen, dass autonome Autos sicherer fahren als der Mensch, aber in bestimmten Situationen mehr Unfälle verursachen. Die Entwickler tüfteln bereits an verbesserten Sensoren. Auch unklare Haftungsfragen, fehlende digitale Infrastruktur und Datenschutzbedenken bremsen den Fortschritt. Nicht zuletzt sind viele Autofahrer noch skeptisch, weil sie die Verantwortung komplett an das System abgeben müssten. In den kommenden Jahren werden wir wahrscheinlich einige avancierte Fahrassistenzsysteme (Level 3 und 4) erleben, aber vollständig autonome Fahrzeuge dürften noch länger auf sich warten lassen. 99 Prozent der Deutschen würden in ein autonomes Verkehrsmittel steigen. 53 Prozent können sich vorstellen, privat ein selbstfahrendes Auto zu nutzen. 3Millionen Pkw weniger bräuchte es, wenn Robotaxis und autonome Fahrdienste stark genutzt werden. Quellen: www.bitkom.org, www.deloitte.com MOBILITÄT 7

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